Presse: DHV

Zwei Elektrowinden im Auftrieb

Ein Bericht von Katharina Dressel

Molywinch 3 - Multiwinch

Elektrowinden müssen den Härtetest bestehen. Gleitschirm Flatlands im Alten Lager, das heißt, eine intensive Schleppwoche mit täglich mehr als 20 Schlepps pro Doppeltrommelwinde innerhalb von ca. 1,5 Stunden. Vor Ort waren 4 klassische Motorwinden und zwei neue Elektrowinden: die Molywinch 3 um das Team Udo Molitor und die Multiwinch vom Entwicklerteam Siegfried Grunwald. Schaut man sich die Multiwinch an, scheint das futuristische Äußere optisch ein neues „Zeitalter“ einzuläuten. Aber können die Winden im Maximalbetrieb bestehen? Können sie innerhalb kürzester Zeit, sichere Schlepps, ohne Ausfälle, mit guter Leistung und ohne Energieprobleme gewährleisten? Wir haben den Entwicklern und Bedienern über die Schulter geschaut.

Sechs Blei/Gel-Akkus bei der einen Winde, ein größerer Generator auf einem Anhänger bei der anderen. Man sieht, es werden unterschiedliche Wege gegangen. Basiert die Multiwinch auf einer designtechnisch hochentwickelten Mechanik und je einem 72-Volt Antriebsmotor mit Planetengetriebe pro Trommel, setzt die Molywinch auf robuste Industrietechnik und Direktantrieb bei den beiden Seiltrommeln. Beides hat seine Vorteile. Die Akku-Leistung der Multiwinch reicht für ca. 50 Schlepps, hat mit dem gebremsten Seilauszug aber ein Rekuperationssystem, das die Akkus automatisch wieder auflädt. Für einen intensiven Dauerschleppbetrieb kann ein kleiner Generator dazu geschaltet werden. Die Molywinch benötigt entweder einen 400 Volt Festnetzanschluss mit 32 A CEE oder einen Generator mit mindestens 22 kVA, setzt dafür aber Bauteile ein, die standardmäßig gut über den Fachhandel zu beziehen sind.

Was bei beiden wirklich überzeugt, sind die sicheren, soften und gleichmäßigen Schlepps. Roland Witt, Windenfahrer im Alten Lager, hat auf beiden Winden geschleppt und ist begeistert: „Beide Winden regulieren bei thermischen Turbulenzen sofort die Zugkraft runter. Für die Piloten gibt das mehr Sicherheit, gleichmäßige Schlepps und auch größere Schlepphöhen. Wenn ich das so im Vergleich sehe, hatten die Piloten bestimmt 20% mehr Ausklinkhöhe als mit den Benzinbetriebenen.“ Hört man den Wettbewerbspiloten zu, gibt es anfangs Irritation über die vermeintlich zu „kraftlosen“ Windenschlepps. Nachdem sie aber die tatsächlich größeren Ausklinkhöhen verglichen haben, war dies eine überraschende Erkenntnis. Drachenflieger, die bei den Flatlands geholfen haben und mit Freiflügen belohnt wurden, schwärmen von der soften Schleppphase. Die Böen werden einfach weg geregelt und der Schlepp wird dadurch merklich ruhiger. Die Einstellungen der Zugkraftvorwahl im Menu beider Winden sind recht genau und zeigen eine gute Einhaltung der voreingestellten Zugkraft an, auch bei böigen Windverhältnissen und auftretenden Lastspitzen. Allein beim Anschleppen gibt es Unterschiede. Lässt die Multiwinch in der Anschleppphase automatisch nur eine Kraft von 25 kg zu, egal wie sehr der Zugkrafthebel gezogen wird, muss der Joystick bei der Molywinch sehr sensibel bedient werden, da hier von Anfang an die volle Zugkraft mit 100% zur Verfügung steht. Das heißt, etwas Übung ist notwendig um das richtige Gespür zu bekommen. 

Das Resümee? Beide Elektrowinden haben auf ganzer Linie im Maximalbetrieb bei den German Flatlands im Alten Lager überzeugt und den Praxistest mit Bravour gemeistert.